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Was machst Du eigentlich beruflich?

Kinder, auch heute habe ich wieder einmal ein brennendes Thema für Euch: welche Frage nervt Euch persönlich am meisten? Ich für meinen Teil kann das schnell beantworten. War es früher noch die Frage: „Was für Musik hörst Du am liebsten?“ So ist es heute definitiv: „Und was machst Du beruflich?“ Wie kam da der Wechsel? Und noch viel wichtiger: Warum ist das eigentlich so wichtig? Haben Menschen das Gefühl sie könnten uns besser einschätzen, wenn sie a) wissen was für Musik wir hören und noch viel wichtiger wenn sie b) wissen was wir beruflich machen? Können wir nur in Schubladen denken, brauchen wir diese Schubladen gar um uns orientieren zu können? Sind sie am Ende hilfreich? Oder lenken sie uns eigentlich vielmehr vom Wesentlichen ab, und zwar von dem Menschen dem wir diese oftmals recht belanglose Frage stellen?
Ich bin so unendlich genervt von dieser Frage! Zum einen frage ich mich natürlich: Gibt es nichts Spannenderes das man sein Gegenüber fragen kann? Sind Menschen zu dumm, zu träge, zu feige um sich eine andere meist in den ersten Minuten einer Begegnung gestellte Frage zu überlegen? Sind wir am Ende gar nicht am Gespräch mit jemand anderem interessiert und versuchen aus diesem Grunde schnell abzustecken ob es sich überhaupt lohnt die Unterhaltung weiter aufrecht zu halten und sind wir so beschränkt das anhand einer beruflichen Tätigkeit festzumachen? Wie schnell kommt da ein „Aha... Ach so...Ja...“ wenn die Antwort vielleicht eine ist die dem Fragesteller nicht gefällt weil er sich etwas Spektakuläreres erhofft hat? Und, andersrum, wie schnell ist jemand begeistert weil die Antwort so spannend klingt, dass man meint unbedingt mehr darüber erfahren zu müssen? Und sich dann in fadenscheinigen Fachsimpeleien über den Job seines Gegenübers ergeht? Gibt diese Fragestellung dem Fragenden am Ende vielleicht auch einfach bloß Sicherheit, eine vermeintliche Sicherheit, weil er mit der Beantwortung zu wissen glaubt wen er vor sich hat? Und noch einmal und mit vollem Ernst: Sind wir alle nicht viel mehr als unser Job?
Brauchen wir Menschen Schubladen um uns sicherer im Angesicht unseres Gegenübers zu fühlen? Halten wir die Ungewissheit nicht aus und wollen uns mit der Frage nach dem Beruf/Job/Arbeit des Anderen ein Stück Sicherheit zurückholen?
Ein Coach hat mir einmal erklärt, dass es genau so ist. Menschen brauchen Schubladen. Wenn jemand alles kann und alles anbietet ist er für andere nicht greifbar und man weiß nicht genau wo man ihn hinstecken soll.
Das mag für berufliche Unterfangen auch sicherlich hilfreich sein, aber wenn es ums Private geht frage ich ums erneute Mal: Warum ist es so wichtig zu wissen was das Gegenüber macht? Suchen wir in der Antwort einen Faustpfand weil wir selbst so unsicher sind, dass wir uns über die Antwort meinen einen gewissen Schutz aufbauen zu können weil wir nun schließlich eine Auflösung haben, eine Schublade öffnen, den Gegenüber hineinstecken, die Schublade zumachen und ein Urteil fällen können? Was aber wenn der Job eines Menschen gar nichts mit ihm zu tun hat und lediglich ein Job ist und wo, und darauf will ich hinaus, wo und an welcher Stelle geht es um den MENSCHEN an sich? Und: Machen diejenigen die diese Frage im zweiten, dritten, vierten Atemzug stellen es sich nicht vielleicht auch selbst recht einfach weil sie nicht darüber nachdenken müssen auf welcher Ebene das Gespräch AUCH stattfinden kann, weil sie diesem direkt zu Beginn den Wind aus den Segeln nehmen und in die ewig gleichen, trübe dahinplätschernden Gewässer schiffen lassen? Und, und wirklich ganz ernsthaft, wer möchte denn unbedingt und unermesslich auch in der Zeit in der er nicht bei der Arbeit ist auch noch mit Fremden über seinen Job reden?
Die besten Gespräche meines Lebens waren die, die losgelöst von alledem waren. In denen ich einfach nur mit meinem Gegenüber über den Sinn und Unsinn des Lebens geplaudert und dabei die Zeit, die Umgebung, die Wichtigkeit von alledem was eigentlich gar nicht wichtig ist vergessen habe. In denen es um Mittagswein, High Heels, Begegnungen mit Prominenten, Schnaps, Maskenmänner, Themen-Hopping im gleichen Tempo wie bei den Gilmore Girls, die schönsten Orte der Stadt, New York, Sex and the City, Liebe, Lust und Leidenschaft, Sex, Bratwürste, Intimrasuren, Restaurants, Rebsorten und gutes Essen ging.
Wo ist die Leidenschaft für das Gespräch mit seinem Gegenüber geblieben? Verschwinden aus dem gleichen Grund weil Menschen gesprächsfaul und desinteressiert am mitreißenden Austausch miteinander sind die kleinen Läden und Boutiquen aus der Architektur der Stadt weil Menschen lieber anonym im Internet kaufen ohne sich unterhalten zu müssen?
Ja, manchmal schüchtert der Gedanke auf ein bevorstehendes Gespräch ein. Ich kenne viele Menschen die aus diesem Grund nicht auf Parties gehen, nicht gerne ausgehen, Gruppen und vermeintliche „Happiness is just around the corner“ Veranstaltungen meiden, weil genau dort meist zwangsläufig diese unvermeidlichen „Und was machst Du beruflich?“- Gespräche stattfinden die man sich gerne schenken würde.
Natürlich, es ist für viele immer noch die einfachste Frage um mit seinem Gegenüber in Kontakt zu kommen. Für viele. Nicht für mich. Ich hasse diese Frage. Weil sie im ersten Moment nichts, rein gar nichts über den Menschen neben einem aussagt und erst dann wichtiger wird, wenn man anfängt den anderen näher kennenzulernen. Aber warum ist es für jemanden den man so oder so nicht wiedersehen wird wichtig? Weil wir Menschen unkreative Langweiler geworden sind. Und das im Land der Dichter und Denker! Es sind scheinbar nicht so viele übrig geblieben von diesen Dichtern und Denkern. Eher von den sich-zu-Hause-Versteckern und Lapidar-Plauderern, die Dich zwar schnell mit ihrer Frage in eine Schublade stecken, Dich aber genauso schnell wieder vergessen haben weil ihnen nach der Frage die Luft ausgegangen ist und sie nach dem Schubladenschließen nicht wussten was sonst noch wichtig sein könnte.
Haben wir gar ein Identifikationsproblem weil wir meinen den anderen anhand seines Jobs auszumachen anstatt darauf zu gucken was ihn als Mensch ausmacht? Ist es uns zu anstrengend geworden jemanden kennenzulernen, seinen Charakter zu erforschen, zu sehen ob die Chemie stimmt? Und ist es daher leichter ihn in eine Schublade zu stecken weil man die anschließend zumachen und das anstrengende Thema ein Gespräch zu führen und aufrechtzuerhalten abhaken kann als sich mit jemandem wirklich befassen zu müssen?
Wo bleiben die Fragen nach dem Menschen? Die Fragen die berühren, die unser Gegenüber zu einem Gesprächspartner werden lassen, jemandem, mit dem wir Zeit und Raum teilen und gleichzeitig beides vergessen, weil unser Gespräch uns diesen Unwichtigkeiten entreißt?
Ich bin überzeugt davon dass wir genauhin wieder zurückfinden können. Wenn wir Oberflächlichkeiten ein gutes Stück weit außen vor lassen und uns der Liebe zum leidenschaftlichen Gespräch widmen. Und ebenso sehr zum sinnfreien Geplauder, Geplänkel, Gescherze. Wie wohltuend das manchmal doch auch sein kann! Es gibt so viele Dinge auf der Welt über die es sich lohnt zu philosophieren, zu reden, zu quatschen, zu schwelgen, rumzudödeln, zu scherzen und seine ganz eigene Version davon zu gestalten. Wir lassen uns so viele Chancen darauf entgehen.
Eins jedoch sei zum Ende noch gesagt damit Ihr mich nicht falsch versteht: natürlich kann man diese Frage stellen. Sicher. Aber eben nicht als eine der ersten drei Fragen in einem Gespräch mit einem bis dahin Unbekannten. Dann ist es nämlich Schubladendenken und die eigene Unsicherheit überspielen und kein wirkliches Interesse am Gegenüber. Und das ist es was mir in diesem Zusammenhang fehlt. In diesem Sinne: Enjoy a good conversation with a dear friend, with a new lover, with a beloved one. And make sure not to hold a conversation if your not interested. You don’t have to. Und was ist das schönste an einer tollen Unterhaltung? Glück ist die Zeit in der man sie vergisst.
Have a very happy thursday, lovers. Enjoy!

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