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Zwischen Schnellschwimmerbahn und Nichtschwimmerbecken

Kinder, seit einigen Monaten gehe ich regelmäßig schwimmen. Das klingt jetzt vielleicht erst mal nach busy busy, Sporty Spice und ah und oh. Aber in Wahrheit ist es furchtbar anstrengend und treibt mich immer wieder an den Rande des Wahnsinns. Und hiermit meine ich nicht den tatsächlichen Akt des Schwimmens. Nein, damit ich meine ich all das was nebenher noch im Schwimmbad stattfindet. Eigentlich müsste man meinen, dass ein Schwimmbecken zum gleichmäßigen Bahnen schwimmen da ist. Aber auch hier werde ich jede Woche erneut eines Besseren belehrt.
Wichtig zu wissen ist, dass der Außenpool unterteilt ist zwischen Schnellschwimmerbahn und, da kein Name am anderen Bereich dran steht, denen die es nicht sind. Auf der Schnellschwimmerbahn durchkreuzen die überdrehten Sportschwimmer mit Badekappe, Schwimmbrille, Schwimmanzug, Übungsausrüstung, Stoppuhr am Handgelenk und klar definiertem überheblichen „Ich-bin-besser-als-alle-anderen-aber-das-ist-schließlich-auch-klar“-Blick die Fluten. Das jedoch nicht ohne im Vorwege mit höchster Sorgfalt Badekappe und Schwimmbrille zurechtzurücken und die Stoppuhr gewichtigen Augenmerks ganz genau zu stellen. Dazu brauchen die Suppenkasper auch jedes Mal so lange wie ich für sechs Bahnen schwimmen im von ihrer Wichtigkeit abgeteilten Bereich. Irgendwann werden zwei Bahnen geschwommen, und schon beginnt das antrainierte Protz-Prozedere von vorne. Ich frage mich immer wieder aus welchem Grund diese Vollprofis überhaupt noch zum Schwimmen gehen bei all der Zeit die dabei zur Herrichtung und Zeitmessung draufgeht. Die vermeintlichen Schnellschwimmer nehmen sich auch gerne heraus zu beurteilen wie schnell man schwimmen muss um in deren erlauchtem Fahrwasser seine Bahnen ziehen zu dürfen. Die Arroganz der vermeintlich besseren Menschen zieht mich hier stets und ständig erneute in ihren Bann und lädt mich ein auf die dunkle Seite der Macht. Ich sollte diese Einladung unbedingt einmal annehmen. Ich möchte noch so viel loswerden.
Doch damit nicht genug. Weiter geht es in dem Bereich in dem ich schwimmen darf. Oder anders gesagt, dort wo ich versuche zu schwimmen. Wenn einem nicht gerade kleine tobende Kinder in den Rücken springen oder stämmige alte unappetitliche Herren am Beckenrand die Wendemöglichkeit versperren, weil sie dort vor Wichtigkeit triefende Gespräche führen müssen, die mit Sicherheit an keinem anderen Ort dieser Welt geführt werden können.
Zur nächsten nicht ernst gemeinten Erheiterung laden die alten Damen ein die entgegen besseren Wissens blind ihre Rückenschwimmbahnen ziehen und dabei auf jeder, aber auch wirklich jeder ihrer Bahnen!, mit einem anderen Schwimmer, dem Beckenrand oder eben mit mir zusammenstoßen. Ist ihnen aber auch egal. Doof ist allerdings, dass man nicht nur auf sich selbst, sondern auch auf die alten Damen aufpassen muss. Und manchmal nervt das so dermaßen, dass man sie einfach nur anbrüllen möchte doch einfach gerade aus zu schwimmen. Denn auch wenn man beim Schwimmen seinen Körper ganzheitlich trainiert, so spürt man doch jeden blauen Fleck, den man unter Wasser bekommen hat ganz genauso wie jeden den man an Land bekommt.
Dann gibt es die japsenden Schwimm-Könige mit dem ausgefallen eindringlichen Brustschwimmstil bei dem sie zwar nackenschonend bei jedem Zug den Kopf unter Wasser tauchen, allerdings sehen sie bei jedem Auftauchen aus als ob sie JETZT GLEICH den schlimmsten Unterwassertod sterben und hustend und prustend ertrinken. Manchmal ist es unerträglich. Allein diese Gesichter mit den weit geöffneten starren Augen ständig vor sich zu haben verdirbt einem jeden Spaß am kühlen Nass. Weil man bei besagtem Anblick oftmals tatsächlich davon ausgeht, dass diese Comicfiguren wirklich in jedem Moment ihren letzten Atemzug im Schwimmbecken nehmen könnten.
Dann gibt es die äußerst fragwürdigen selbsternannten Schwimmprofis bei denen ich mich jedes Mal mit Schrecken frage welcher Vollpfosten zum Teufel denen bloß das Schwimmen beigebracht hat! Deren Kraulstil erinnert an den Versuch mit dem ganzen Körper einen Bären zu fangen, meinetwegen einen Tiger, auf jeden Fall irgendein riesiges Raubtier. Grundsätzlich dürfte man das was da stattfindet gar nicht mehr Schwimmen nennen sondern die vorsätzliche Folter des eigenen Körpers. Mit weit aufgerissen Armen wird da von links nach rechts ins Wasser geplatscht ohne das dieser Schwimmstil auch nur im Entferntesten an Kraulen erinnern dürfte. Ich gehe trotzdem davon aus, dass diese Körperkünstler genau diesem Stil nachzueifern versuchen und wundere mich immer wieder aufs Neue, dass ihnen der Kopf nicht von den Schultern fliegt, so heftig wie sie ihn beim Arme-ins-Wasser-krachen-lassen in wilder Montur von einer Körperseite auf die andere werfen. Schlimm.
Weiterhin gibt es die durchgeknallten Micky Mäuse, die nicht schwimmen, sondern sich mit ihren dicken über und über behaarten Oberkörpern mit einem dermaßen fetten Knall ins Wasser platschen lassen, dass der Pool eigentlich automatisch leer sein müsste. Sie nehmen sicher, wie die selbst ernannten Schwimmprofis an, dass es sich hierbei um eine seltene Form eines lange vergessen Schwimmstils handelt. Nur tauchen sie danach einfach wieder auf, schütteln sich wie angsteinflößende fette nasse Hunde und setzen zum nächsten Sprung an.
Ebenso ungerne gesehen sind die Familienmütter, die sich mir-nichts-dir-nichts mitten im Schwimmbecken zu einem wichtigen Austausch unter Frauen niederlassen und man dann ständig um sie herum schwimmen muss, weil sie die Unterhaltung nun auch wirklich nicht unterbrechen beziehungsweise an anderer Stelle weiterführen können. Und hatte ich schon die taffen Jugendlichen erwähnt, die regelmäßig und verbotenerweise vom Beckenrand auf einen drauf springen, die Möchtegern-Adonisse, die vermeintliche Wettschwimmen veranstalten bei denen allerdings ihre schmierige Haarpracht nicht nass werden darf was sie nur noch bescheuerter aussehen lässt, die kleinen Kinder, die ungesehen in einen reinschwimmen, wozu hat man schließlich Augen im Kopf?, die Väter, die ihre Kinder in wilden Verrenkungen ins Wasser schmeißen und die gelangweilten Bademeister, die zwar irgendwie vor Ort sind, aber bisher noch nie auch nur einmal ein Machtwort gesprochen haben?
Am schönsten ist es wenn auf der Schnellschwimmerbahn auch noch mein Hasskandidat-Trainer seine verblödeten Jungs trainiert die allesamt keine Lust auf das Schwimmtraining haben, deren Eltern aber wollen, dass die Kinder gut schwimmen lernen. Eigentlich ein gut gemeintes Ansinnen, sieht man sich einmal die anderen hier bereits benannten Witzfiguren an. Indigo, Santiago und Victor sehen das jedoch ganz anders und rauben somit nicht nur mir, sondern auch dem aufgeblasenen schwächlichen Schwimmtrainer den letzten Nerv, so dass nicht nur deren, sondern auch meine Schwimmstunde von einem ständigen „INDIGO, SANTIAGO, VICTOR, KRAULSCHWIMMEN, NICHT BRUST!!!“ durchzogen wird.
Kinder, Ihr seht es, entspanntes Schwimmen sieht anders aus. Ganz anders. Dennoch versuche ich mir die am Beckenrand aufgehängten Marketing-Maßnahmen zu verinnerlichen und mir immer wieder zu sagen wie viel gutes ich meinem Körper durchs Schwimmen tue. Wie lange mein Geist das aushält sollte ich jedoch im Auge behalten. Und ziehe irgendwann vielleicht doch wieder die Ruhe beim Yoga dem in fast allen Bereichen anstrengenden Schwimmtraining vor. Ich wünsche Euch viel Spaß bei Euren sportlichen Leidenschaften. Have a very happy friday, lovers. Enjoy the fun. And make sure to find a little love in everything you do.

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