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What is it, Asshole-Day??

Kinder, heute scheiß' ich auf die Etikette, heute bin ich anti! Da geht man an einem stinknormalen Samstag einfach noch mal schnell einkaufen, weil man denkt: "Oh, es ist Samstag, da geh' ich doch einfach noch mal schnell einkaufen!" und dann das: es sind nur Vollidioten unterwegs. Es gibt ein Buch von Kerstin Gier mit dem Titel "Ach, wär ich nur zu Hause geblieben," genau so fühle ich mich im Moment auch. Gleichsam erinnert mich die Situation an einen meiner Lieblings-Filme "10 Things I hate about You" mit Julia Stiles und Heath Leadger in dem in einer wunderbaren Szene für die Ewigkeit einer der am besten zu erinnernden Sätze aller Zeiten fällt: "What is it, Asshole-Day??" In Momenten wie diesen leider nicht so hilfreich wie benötigt, aber erfrischend. Und das zählt. Nicht, dass ich mir diese Frage nicht schon oft und öfter gestellt habe, aber heute sind scheinbar alle im Denken benachteiligten Menschen gleichzeitig unterwegs. Da muss es vorhin irgendwo ein stilles Los-Signal gegeben haben, anders kann ich es mir nicht erklären. Langsam-Latscher und im-Weg-Rumsteher, Rotzlöffel und deren nicht minder in Freundlichkeit begabten Kinder, Rempler und Schubser, Drängler und deren enge Verwandte die Vordrängler, Hans-guck-in-die-Luft und Hans-Dampf-in-allen-Gassen, Bumsbären, Sitzpisser, Warmduscher und Kackbratzen, heute fehlt keiner. Wenn Dummheit weh tun würde, müssten hier eigentlich alle schreiend durch den Laden laufen. Aber ich höre nichts - Logikfehler in der Matrix! Im Gegenteil, sie stolzieren durch die Gänge und meinen ihnen gehört die Welt. Was läuft hier falsch? Wo kommen die alle auf einmal her? Warum treffe ich die nur heute? Oder besser gesagt: welchem Riesenglück ist es zu verdanken, dass ich diese Leute sonst NICHT treffe? Mit gerunzelter Stirn, obwohl meine Kosmetikerin mir gesagt hat, dass ich die Stirn nicht mehr runzeln darf, Falten-Gefahr und Not-Einsatz von Botox könnten die unkalkulierbaren Folgen sein, frage ich mich dennoch besorgt, ob sich diese drastisch besetzte Tragödie hier vielleicht gerade aus einem bestimmten Grund abspielt. Wobei allein der Gedanke daran zu abstrus ist, aber dennoch werfe ich meinen Hut wagemutig in den Ring und stelle die Frage aller Fragen: drehen die Leute alle durch, weil morgen der Erste Advent ist?! Kaum ausgeschrieben kann ich mir schon wieder gar nicht mehr vorstellen, damit auch nur ansatzsweise richtig zu liegen, denn wieso sollte das für die immer verrückter werdende Menschheit von allzu großer Bedeutung sein? Schließlich ist es ein Sonntag wie alle anderen, einzig die erste Kerze auf dem Adventskranz wird angezündet, ansonsten ändert sich erstmal nichts. Da jedoch GUT schon lange nicht mehr GUT GENUG ist und wir uns erst dann zurücklehnen dürfen, wenn alles PERFEKT ist, also NIE, scheinen wir immer wieder besonders dann in Ekstase zu geraten, wenn es endlich mal wieder Zeit ist durchzudrehen. Und da wir nicht in den USA leben und den Black Friday sicherlich nicht so frenetisch gefeiert haben wie die Amerikaner, gibt es zum endlich-mal-wieder-Durchdrehen scheinbar keinen besseren Tag als den Samstag vor dem ersten Advent. Supper, des passt. Wenn es keine Gründe gibt, dann basteln wir uns einen, und um die Wichtigkeit des heutigen Tages messen zu können, müsste erstmal das metrische System neu erfunden werden. Mir bleibt nichts anderes übrig, aber gottseidank habe ich eine Wahl, als die verrückten Kaufwilligen, die ungezogenen Gören, die elitären Arschgesichter, die Unentschiedenen, die Trantüten, die Eiligen und die vom Weihnachtsmarkt Beschwipsten ihrem selbst erkorenen Schicksal zu überlassen und mich schnurstraks wieder nach Hause zu begeben. Zum Adventskalender basteln. Zum Weihnachtsmusik hören. Zum Plätzchen naschen. Zum kochen, backen, Abend essen. Zum Ruhe tanken und genießen. Mensch, hätte ich doch bloß vorher gewusst, was mich da draußen erwartet. Die eine Pfandflasche hätte ich auch am Montag abgeben können. In diesem Sinne: relaxen und einfach mal zu Hause bleiben. Have a splendid weekend, lovers. Enjoy.

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